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Tourismus und Fremdenverkehr |
Es wird kein großes Jubiläumsfest gefeiert, aber erinnern wird man sich in Bollendorf in diesem Jahre an Gründerzeiten und Gründerväter.
120 Jahre Tourismus und fünfzig Jahre Verkehrsverein im Luftkurort Bollendorf
Text und Fotos von Paul Colljung
Wer hat wann und wie Zeitgenossen darauf aufmerksam gemacht, in diesem anmutigen Flusstal, eingebettet zwischen hohen und bewaldeten Felsenbergen Erholung zu finden?
Man weiß, dass sich Römer, Franken und Klosterleute hier wohlfühlten.
Einem Mann wohl sollten alle touristischen Vereinigungen von hüben und drüben ein Denkmal setzen: dem rheinischen Romantiker Joseph von Görres
Er kam 1814 als Direktor des öffentlichen Unterrichtes in das von den damaligen Alliierten geschaffene Generalgouvernement nach Echternach, da die Franzosen die Hauptstadt des Wälderdepartements noch besetzt hielten. Er, genannt der "Gelehrte aus Coblenz" unternahm bei seinem Echternacher Aufenthalt ungezählte Wanderungen in der Gegend. Seine Feder wurde nicht müde, im "Rheinischen Merkur" über das Echternacher Felsenland, das "Mühlenthal", über Felsenburgen bis hin zum Fraubillenkreuz in einer sehr romantischen Art zu berichten. Selbst Victor Hugo, von französischen Herrscherhaus auf die britische Kanalinsel Guernsey verbannt, besuchte das Sauertal. Eine wesentliche Zeit der Verbannung verbrachte der große Romancier noch zudem in Vianden, wo er auch literarisch wirkte und zudem Reiseberichte verfasste. Um 1860, als die Hauptverkehrsstraße mal links oder rechts von Our und Sauer führte, wäre er beinahe in einer Furt bei Bollendorf ertrunken.
Als die Sauertallinie der luxemburgischen Prinz-Heinrich-Bahn 1873 eingeweiht wurde, eröffneten sich Echternach völlig neue touristische Möglichkeiten. Schon 1876 wurde dort ein Verschönerungsverein gegründet, der zunehmend ein Wanderwegenetz ausbaute. Der Name "Kleine Luxemburger Schweiz" ist seit dieser Zeit ein Begriff für Wanderer.
Die Nachbarn schauten, insbesondere auch die Bollendorfer auf Echternach.
Hotel Burg Bollendorf wurde anno 1883 von Familie Barreau eröffnet. Der Hauptverein des Eifelvereins wurde 1890 in Bonn gegründet, dem sich 1898 die Gründung der Bollendorfer Ortsgruppe anschloss. Der Hauptverein nahm neben dem eigenen hiesigen Wegenetz auch die Wanderwege auf luxemburgischer Seite in sein Kartenmaterial auf.
Als Bollendorf anno 1905 elektrischen Strom und 1910 eine Wasserversorgung erhielt, wurden die ersten Hotels hiermit ausgestattet. Am 19. und 20. Mai 1901 war die große Eifelvereinshauptversammlung mit abendlichem Fackelzug in Bollendorf. Der Ort wird 1904 in die Liste der Kur- und Badeorte aufgenommen. Als Vollpension 1,50 RM bis 7,-- Reichsmark kosteten.
Als eine Pionierleistung wird die Herausgabe eines "Führers durch Bollendorf und Umgebung" im Jahre 1911 angesehen.
Wanderkarte, 1450 Seiten und 60 Illustrationen, auch von Fritz von Wille, sind ein wertvoller Wanderbegleiter. Man wundert sich im beschaulichen Dorf über sogenannte "Sommerfrischler", die auch werktags umhergehen ohne zu arbeiten. Die Hotels bieten Zimmer an mit elektrischem Licht.
Burg Bollendorf wird geführt von Louise Barreau und Bruder Eduard betreibt Hotel-Pension Waldvilla mit Tennis und Kricketplatz, beide mit Bädern. Der Pensionspreis von 1,50 bis 7,-- Reichsmark darf nicht blenden: ein Schreinermeister verdiente bei 10 Arbeitsstunden pro Tag 3,50 RM.
Das Städtchen Echternach erlebt die Hauptversammlung des Eifelvereins 1912 mit Wanderung zur Hohllay. In diesem Jahr wurden auf Burg Bollendorf offiziell 1239 Gäste gezählt. Der I. Weltkrieg lähmt jeglichen Tourismus. Gästebetten dienen jetzt als Soldatenunterkünfte.
Eine schwere Nachkriegszeit brachte dem Erholungsort noch auf viele Jahre keine Gäste. Die touristischen Betriebe im grenznahen Luxemburg hatten die Folgen des I. Weltkrieges am ehesten überwunden.
Aufgebraucht waren in zwei Jahrzehnten die bunten Aufkleber in großem Briefmarkenformat mit Ortsansicht und Aufdruck "Bollendorfer Sauerschweiz". Aus dem Hotel Burg Bollendorf war eine Höhere Töchterschule der Ursulinen geworden. Sonnenhof Hotel Waldvilla war vorübergehend als Privatsanatorium von Pfarrer Neuens genutzt worden, der von hier aus sein neues Institut "Heliar" in Weilerbach gründete.
Der Tourismus kam Ende der zwanziger Jahre recht in Gang, da immer mehr Wanderer die Gegend schätzen lernten. So bescherte das Ferienwerk "Kraft durch Freude" dem Dorf viele Gäste, in dem es nun auch viele Gästebetten in Privathäusern gab. Mit Beginn des Westwallbaus 1937 war der Tourismus völlig beendet. Alle Gästebetten wurden von dienstverpflichteten Arbeitern und dann von einquartierten Soldaten der Wehrmacht belegt.
Unheilvoll verlief der II. Weltkrieg auch für Bollendorf. Neben vielen Toten kam eine achtzigrozentige Zerstörung des Dorfes hinzu, als hier von September 1944 bis Februar 1945 die Front verlief.
Eine arme Nachkriegszeit ließ dennoch den Wiederaufbau gedeihen. Touristische Traditionshäuser und Privatanbieter beherbergten nach der Währungsreform 1948 wieder die ersten Gäste. Mitglieder des Eifelvereins setzten die Wanderwege instand. So schlug 1952 die Geburtsstunde des Bollendorfer Verkehrs- und Gewerbevereins. Der Waschkrug und Toiletteneimer gehörten zur Zimmerausstattung. Vonnöten war ein WC im Haus und sehr bald auch die Etagendusche. Neben Traditionshäusern hatte das neueröffnete "Haus Hügel" einen hohen Anteil an touristischer Pionierarbeit der Nachkriegszeit.
Das Urlaubs- und Freizeitverhalten der Gäste in den fünfziger Jahren war genügsam. Die Menschen kamen her mit der Bahn und den Anschlussbussen.
Mit Gelassenheit wartete man in ein- oder zweiwöchiger Urlaubszeit auf Urlaubswetter für kleine Unternehmungen. Trotz schrecklicher Kriegsgeschehnisse war dem Erholungssuchenden die Natur erhalten geblieben.
Ein bestehender Handwerkerverein konnte nicht die notwendige touristischen Infrastruktur in Gang setzen. Auf Empfehlung des Fremdenverkehrsamtes Trier waren zur Gründungsversammlung am 13.03.1952 als beratendes Gremium nach Bollendorf gekommen die Herren Reichsbahnrat Schwarz, Direktor Schnadt vom Landesverkehrsverband Rheinland-Pfalz und der Vorsitzende Plein vom Hotel- und Gaststättenverband des Kreises Bitburg. Die Gründungsversammlung wählte folgendes Mitglied in den Vorstand: Zahnarzt Alois Beyer als 1. Vorsitzender, ferner Hans Poecker, Otto Triesch, Robert Maiers, Günter Schenten, Hermann Nübel, Johann Bermes, Leo Colle, Leo Simon und Paul Michels. Von Alois Beyer übernahm Paul Michels den Vorsitz. Neues Leben brachte als Vorsitzender Günter Schenten in den Verein von 1960 bis 1969. Die Gemeinde zog mit. Vom Gelände der Allee mussten Bauschutt, Bau- und Brennholz sowie Wäscheleinen entfernt werden für die Neugestaltung der Anlagen. Ein erstes Büro wurde eingerichtet im Gemeindehaus in der Neuerburgerstraße 14.
Werbestrategien, erste Faltblätter und Prospekte, Anzeigen unter dem Titel "Ein Dorf sucht Kontakt" brachten Erfolge. Verträge wurden abgeschlossen mit dem Reiseunternehmen Kütha aus Solingen und dem Eschweiler Bergwerksverein. Belebend waren auch die Gründung und Aktivitäten des Vereins Naturpark Südeifel 1958. Das Wanderwegenetz mit neuen Wanderkarten wurde völlig erneuert. Im Jahre 1969 wurde die große "Grenzland"-Jugendherberge eingeweiht. Von 1970 bis 1977 war Franz-Josef Wuth Vereinsvorsitzender. Ein neues Büro wurde am Sauerstaden eröffnet. Ein Freizeitzentrum und Freibad wurde 1976 eingeweiht. Das moderne "Nomadentum" von Gästen nahm große Formen an, indem es im Bereich der Gemeinde Bollendorf drei große Campingplätze gibt. Ab 1978 führte Kurt Allar den Verein. Bekannte Zeitgenossen von Film, Sport und Fernsehen sah Bollendorf in seinen Mauern. Ein Werbeprospekt "Perlen der Südeifel" führte 1981 in Bollendorf mit den Betten in Bollendorf-Pont 23 Hotels und Pensionen, 120 Ferienwohnungen mit 1.400 Gästebetten auf. Veranstaltungen mit Funk und Fernsehen, ein Lesesaal, Wanderungen und Ausflugsfahrten Dia-Abende, Kurkonzerte belebten das touristische Angebot.
Bollendorf ist wieder Luftkurort mit eigenem Wappen.
Die eingeführte Kurtaxe deckt nur einen geringen Kostenanteil aller Aufwendungen, die vom Verein und der Gemeinde für den Tourismus zu leisten sind.
Positiv erwies sich die Verlegung des Büros Tourist-Information vom Gemeindebüro in das frühere Zollhaus. Es darf zudem angeführt werden dass nur durch Zusammenwirken von Verkehrsverein, Gemeinde, Verbandsgemeinde und Arbeitsamt der Betrieb dieses Büros mit Fachkraft finanzierbar ist.
Seit 1998 ist Karl-Georg Freundt Vereinsvorsitzender in einer Zeit, wo der Tourismus stagniert. Alle bisher klassischen Urlaubsgebiete leiden unter dem verlockenden Angebot der Ferntouristik von Fluggesellschaften bis hin zu Kreuzfahrten. Was sich früher nur Millionäre leisten konnten, lockt heute den Normalverbraucher.
Die Zahl der Gästebetten ist zurückgegangen, während die Zimmerqualität mit Nasszellen und Ausstattung deutlich gestiegen ist.
Das Dorf hat viele gute Gästehäuser, Hotels, schöne Anlagen und Freizeitmöglichkeiten. Ehrwürdige Kulturdenkmäler inmitten von Wasser, Wald und Felsen gelegen, sowie Burg Bollendorf, Schloss Weilerbach und Villa Rustica dürften nach wie vor den Gast nach Bollendorf ziehen.
Die interessante Lage zur Grenznähe im Städtedreieck Echternach, Luxemburg und Trier sind ein weiteres Kapital.
Dieses Jubiläumsjahr sollte allen Anlass für neue Denkanstöße und Aktivitäten sein.